Herausforderung Zukunft
: der demografische Wandel - aktuelle Projekte und Literatur

Eine Bibliothek mit Zukunft
Nur wer die Zukunft im Vorgriff erfindet, hat auch die Möglichkeit, sie aktiv zu gestalten!
Mit dieser Aussage hat der Wissenschaftsjournalist und Zukunftsdenker Robert Jungk (1913-1994) nicht nur sein persönliches Eintreten für bürgerschaftliches Engagement auf den Punkt gebracht. Der Satz kann auch heute, 22 Jahre nach ihrer Gründung, als Motto der „Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen“ (JBZ) in Salzburg gelten. Die Stiftung Robert Jungks, von Bund, Stadt und Land Salzburg getragen, ist ein interdisziplinär ausgerichtetes Institut für sozialökologische Zukunftsgestaltung.
Das Team der JBZ - Dr. Alfred Auer, Mag. Hans Holzinger und Dr. Walter Spielmann - sammelt, sichtet und bewertet „Zukunftswissen“. Mehr als 15.000 Medien und an die 180 Zeitschriften stehen für Zukunftsinteressierte in mehr als 40 Themenbereichen zur Verfügung. Durch die Moderation von „Zukunftswerkstätten“ werden Menschen motiviert, ihre Anliegen „selbst in die Hand zu nehmen“, und schließlich stellt die Organisation und Durchführung von Vorträgen und Diskussionen einen weiteren wesentlichen Aspekt der JBZ-Aktivitäten dar.
Kritische Sichtung des Buchmarkts
In „Pro Zukunft“, der 2008 bereits im 22. Jahrgang erscheinenden Rezensionszeitschrift, stellt das JBZ-Team vierteljährlich jeweils an die fünfzig Sachbücher vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum vor. Der „Navigator durch die aktuelle Zukunftsliteratur“ will EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Wirtschaft, Lehre und Forschung und nicht zuletzt auch MedienvermittlerInnen durch sachkundige und fundierte Empfehlungen dabei unterstützen, sich in der Fülle aktueller Neuerscheinungen zurechtzufinden. Nicht zuletzt lädt ein „Lesecafe“ dazu ein, in freundlich entspannter Atmosphäre nach Lust und Laune die „Zukunft zu erkunden“.
Der Robert-Jungk-Preis
Die demografische Entwicklung weltweit, in Europa und nicht zuletzt auch in Österreich stellt – die täglichen Diskurse stellen dies nachdrücklich, aber nicht immer überzeugend unter Beweis – zweifellos eine der dringendsten Herausforderungen unserer Zeit dar. Nicht nur in Anbetracht dreister Polemik, die auf Verunsicherung zielt und Ängste schürt, erscheint es unabdingbar, die vielen Beispiele eines nicht nur respektvoll toleranten, sondern eines aktiven und wechselseitig bereichernden Miteinanders der Generationen und Kulturen in den Blick zu nehmen.
Als richtungweisend kann in diesem Zusammenhang der Robert-Jungk-Preis des Landes Nordrhein Westfalen gelten, der unter Mitwirkung der JBZ seit 1999 alle zwei Jahre für Projekte bürgerschaftlichen Engagements und sozialer Verantwortung vergeben wird. „Unternehmungs-Lust – Mit Engagement den demografischen Wandel gestalten“ lautete – keineswegs zufällig – das Motto des vergangenen Jahres, und allein die Fülle der Einreichungen zeigt allen Unkenrufen zum Trotz, dass Engagement und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft hoch im Kurs stehen. Aus fast 200 Projekten hatte die Jury die PreisträgerInnen in drei Kategorien zu wählen.
Für ihr Engagement im Bereich „Kultur und Bildung im Alter“ wurden etwa das „Schlosstheater Moers“ für ein Projekt mit an Demenz erkrankten Menschen und das Projekt „Kunstspuren“ in Düsseldorf ausgezeichnet. Hier setzten sich Senioren und Grundschulkinder unter fachkundiger Begleitung an rund 14 Tagen mit unterschiedlichen Kunstwerken auseinander, wurden selbst gestaltend kreativ und lernten dabei von- und miteinander.
Wie vielfältig sich Firmen für soziale Anliegen engagieren, zeigten Projekte der Kategorie „Unternehmen im Wandel“. Hier wurden „Helfende Hände“ für ihr Engagement im Bereich der Altenbetreuung und andererseits die Metro-AG für die Initiative „Newin“ ausgezeichnet, bei der erfahrene MitarbeiterInnen neu hinzu gekommene KollegInnen mit migrantischem Hintergrund dabei unterstützen, sich im Betrieb, aber auch in ihrem neuen sozialen Umfeld zurechtzufinden. In einer weiteren Kategorie wurden Initiativen interkulturellen Wohnens ausgezeichnet.
Was kann von diesen Projekten gelernt werden? Sehr viel, denn „Abkupfern
erwünscht“ lautet die Devise der Initiatoren des Robert-Jungk-Preises
in Nordrhein-Westfalen. Wer mehr über die richtungsweisenden und
ermutigenden Aktivitäten erfahren möchte, findet im Archiv der
JBZ viele Details – und selbstverständlich auch aktuelle Literatur
zum Thema.
Zu den Themenbereichen Demografie, die „jungen Alten“, Migration
und Integration sind in der JBZ mehr als 350 Bände verfügbar.
Vier aktuelle Bücher aus diesem Fundus (ausführlich rezensiert
im Schwerpunkt „Migration ohne Integration?“ in proZukunft
3/2007) stellen wir Ihnen an dieser Stelle kurz vor.
Den demografischen Wandel gestalten
Katalogisat
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Die
Diskussion über die Gestaltung des demografischen Wandels und ihre
Folgen öffnet den Blick auf vielfältige Formen der Veränderung
– von der Zunahme aktiver älterer Menschen, über den wachsenden
Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bis hin zur Verkleinerung
von Familien und Haushalten.
Im Mittelpunkt des Bandes zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Weltbevölkerung aus der Reihe „Forum für Verantwortung“ steht die Analyse jener Veränderungen in Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Ökosystem, welche die Einwohnerzahl unseres Planeten auf derzeit 6,6 Milliarden Menschen ansteigen ließen.
Drei große Herausforderungen bestimmen im Wesentlichen die Diskussion:
- das starke Bevölkerungswachstum in vielen Entwicklungsländern;
- der fehlende Nachwuchs in den so genannten entwickelten Ländern;
- und schließlich die Zuwanderung aus ärmeren Ländern
des „Südens“ in die reicheren Länder des Nordens.
Zweifellos haben diese demografischen Prozesse erheblichen Einfluss auf unser Leben. Einerseits wächst die Weltbevölkerung täglich um mehr als 200.000 Menschen (jährlich rund 78 Millionen), andererseits sind wir in den Industriestaaten mit rasch alternden und tendenziell schrumpfenden Bevölkerungen konfrontiert. Wir müssen uns aber, so die Experten des vorliegenden Buches, weder vor dem Aussterben noch vor einem Kulturverfall fürchten. Allerdings wird der demografische Übergang Gesellschaften im Hinblick auf die wirtschaftliche und soziale Situation verändern.
Trotz einer skeptischen bis ablehnenden öffentlichen Meinung spricht aus heutiger Sicht fast alles für mehr Zuwanderung, um die Einwohnerzahl künftig einigermaßen stabil zu halten. Der informative, sich an Zahlen und Fakten orientierende Band ist überaus zu empfehlen und wird den Vorstellungen des Herausgebers der Reihe, Klaus Wiegandt, durchaus gerecht, zentrale Herausforderungen unserer Zeit auf höchstem Niveau zu erörtern und die erarbeiteten Befunde und Handlungsstrategien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Bevölkerungsrückgang als Chance
Katalogisat
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Überaus
pointiert beschäftigt sich der Zeitgeschichtler Thomas Etzemüller
mit dem Thema. Er versucht zu zeigen, wie wenig das Bild der „Katastrophe“
den wahren Charakter demografischer Entwicklung abbildet. Für ihn
„spricht nichts dafür, dass die Demografie unsere Wohlstandsgesellschaft
unmittelbar bedroht“. Insbesondere sei der Maßstab für
Über- und Unterbevölkerung zu hinterfragen, denn dazu müsste
man erst wissen, was eine optimale Größe ist.
Doch eben die Annahme derartiger Grundkoordinaten findet sein besonderes Missfallen, insbesondere irritierend seien die Unklarheiten und willkürlichen Grenzziehungen, die auf einen harmonischen Ideal- bzw. Normalzustand Bezug nehmen, den es eben nicht gibt. Etzemüller gelingt es, den Bevölkerungsdiskurs zu entdramatisieren und zu relativieren.
Integration in Zeiten der Globalisierung
Katalogisat
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Ausgehend
von Österreich werden in diesem Sammelband internationale Fallbeispiele
und theoretische Überlegungen zur Zuwanderung und Integration(spolitik)
angeboten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Aspekt „Arbeitsmarkt
und Integration“. Tatsächlich hat die Zuwanderung der Vergangenheit
den österreichischen Arbeitsmarkt zur interkulturellen Drehscheibe
und zum Kreuzungspunkt für ArbeitnehmerInnen mit unterschiedlichen
Weltbildern, Einstellungen sowie Lebensformen gemacht. Neben Beispielen
misslungener Integration gibt es aber auch solche gelingender Integration
– und dies keineswegs als Einzelfall.
Die Autoren sind sich darin einig, dass eine so genannte „Mischkultur“ langfristig für die Wirtschaft effizienter und für die Gesellschaft bereichender ist als eine „Angleichungs-Kultur“. In Zeiten der Globalisierung steht zunehmend außer Zweifel, dass Integration nicht als „Einbahnstraße“ begriffen werden kann.
Historische Migrationsströme im Blickpunkt
Katalogisat
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Gehen
manche ExpertInnen davon aus, dass das 20. Jahrhundert „the age
of migration“ schlechthin gewesen sei, meinen andere, dass sich
die internationale Migration der letzten Jahrzehnte weder im Volumen noch
in ihren Wachstumsraten von früheren Epochen abhebe. Zweifellos haben
Migrationsströme die Historie mit geschrieben. Der Blick auf die
Vergangenheit eröffne, so Klaus Kremb, drei „Ages of Migration“.
Bewegung, Ortsveränderung und Migration seien heute allgegenwärtige
„Normalität“. An Beispielen der europäischen Amerikaauswanderung
im 19. Jahrhundert wird Migration als komplexes Geschehen beschrieben,
das die US-amerikanischen und die europäischen Herkunftsländer
grundlegend verändert hat.
Hintergrundinformationen
Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ)
Die
JBZ geht auf eine von Robert Jungk 1985 gegründete Stiftung zurück.
Der Gesamtbestand beläuft sich auf über 15.000 Medien und rund
180 Zeitschriften zu über 40 Themenbereichen. Das Team der JBZ sammelt,
erschließt und dokumentiert interdisziplinär zukunftsrelevante
Publikationen aus zahlreichen Fachgebieten, moderiert Zukunftswerkstätten,
erstellt auf Anfrage Literaturberichte, organisiert zukunftsrelevante
Veranstaltungen und hilft bei der Literatursuche. Ausführliche Beratung
ist nach Voranmeldung möglich.
Pro Zukunft - der Navigator durch aktuelle Zukunftspublikationen
Regelmäßige
Informationen über aktuelle Zukunftspublikationen erhalten Sie in
der Zeitschrift „Pro Zukunft“ der Robert-Jungk-Bibliothek:Viermal
im Jahr werden auf 32 Seiten an die 40 Bücher und Medien zu Zukunfts-
und Trendforschung vorgestellt. Zu Schwerpunktthemen gibt es kompakt gestaltete
Rezensionen, Hinweise auf Zeitschriftenartikel und Neue Medien.
Abo für vier Ausgaben: € 25,- zzgl. € 5,- Porto ; aktuelles
Heft: € 6,-
ältere Hefte: € 3,- jew. zzgl. Porto; ausgewählte Ausgaben
sind als kostenloser Download erhältlich.
zu beziehen bei: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Robert-Jungk-Platz 1 | 5020 Salzburg | T 0043.662.873 206 | jungk-bibliothek@salzburg.at
Die JBZ ist Partner von „Rezensionen online“ - Besprechungen
von „Pro Zukunft sind abrufbar unter www.rezensionen.at
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- Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
- Aktion Demografischer Wandel der Bertelsmann Stiftung
- Weltweite Daten der UNO zu Bevölkerung und Entwicklung
- Weltgesundheitsorganisation
- „global agenda“ informiert über Demografie, Global Aging und Migration
- Daten und Fakten bietet die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)





