Zwischen den Worten - zwischen den Welten
Die 38. Rauriser Literaturtage im Zeichen der Begegnung der Kulturen und Literaturen

26. bis 30 März 2008
Das diesjährige Programm der Rauriser Literaturtage reicht thematisch von der Mongolei über Korea, Kapstadt, Fès und Istanbul, Slowenien und Ungarn bis Zürich, Wien, Salzburg und Berlin. Zu Gast sind Autorinnen und Autoren, die von einer Kultur in die andere gingen, gehen mussten oder sie freiwillig als eigene neue angenommen haben. Menschen, die aus fremden Sprachen in den deutschen Sprachraum kamen, aus ihm vertrieben wurden oder ihn als Spielmaterial, Sehnsuchtskraft oder Vermittlungspotenzial nützen. Eine Thematik, die Ausdruck einer Migrationszeit ist, die von Flucht und Exil, aber auch von Neugier und Hoffnung geprägt ist, die Verlust und Bereicherung bedeuten kann und bei den Zuhörenden Horizont erweitern und Herzen öffnen sollte.
Begegnungen mit AutorInnen und Literatur
Den Auftakt macht HERBERT KUHNER, der 1939 von Wien aus vor den Nationalsozialisten flüchten musste und später seine Dichtungen in englischer Sprache schrieb und bis heute schreibt.
Jahrzehnte später und unter anderen politischen Vorzeichen emigrierten
die Eltern von VLADIMIR VERTLIB aus Russland und MICHAEL STAVARIC aus
Brünn nach Österreich, wo sie eine neue Heimat zu finden hofften.
Schwerpunktthema Türkei
Der Türkei ist ein eigener Schwerpunkt gewidmet: Drei Autorinnen
werden zu Gast sein – eine, die in ihre Heimat zurückkehrte,
eine, die zwischen Istanbul und Berlin pendelt, und eine, die sich für
Deutschland entschied: ASLI ERDOGAN, ESMAHAN AYKOL und EMINE SEVGI ÖZDAMAR.
Die große Integrationsfigur zwischen Orient und Okzident, BARBARA
FRISCHMUTH, liest im Anschluss an ein Gespräch erstmals in Österreich
aus ihrem neuen Roman.
Der Samstag bringt eine Begegnung mit der vielsprachigen Poetin ILMA RAKUSA
und zwei große Romane entführen in das Reich von Historie und
Schicksalhaftigkeit: der Slowene DRAGO JANCAR in das Barock der Pilgerzüge
von Krain über Salzburg nach Köln, die Ungarin TERÉZIA
MORA, die seit 1990 in Berlin lebt, in die bedrängende Gegenwart
von Flucht und Assimilation.
Vom Wesen der Wörter
Der Samstagabend gleicht einem vielstimmigen Orchester: Den Auftakt machen STEFAN WEIDNER, der in die arabische Welt einführt und der Frage nach der Unterschiedlichkeit von Worten und Begriffen in verschiedenen Sprachen nachgeht, und die Koreanerin HOO NAM SEELMANN, in Zürich verheiratet, die ähnliche Spuren im fernöstlich-koreanischen Kulturraum verfolgt. GALSAN TSCHINAG aus der Mongolei schreibt auf Deutsch über die geheimnisvolle Welt der Nomadenvölker Zentralasiens. Erstmals in Rauris ist auch ILIJA TROJANOW, der „Weltensammler“ zwischen Bulgarien, Indien und Afrika. Den Abschluss gestaltet WLADIMIR KAMINER, der von Moskau nach Berlin ging und der nach seiner Lesung mit einer feinen kleinen „Rauris-Russendisko“ die lange Literaturnacht beschließt.
Die Verleihung der Literaturpreise, das traditionelle „Gespräch
über Kindheit“, das Schulprojekt und vielfältige Rahmenprogramme
runden die fünf Tage im Pinzgauer Hochtal ab, die, so hoffen wir,
für Sie unverwechselbar sein werden.
Brita Steinwendtner
und das Kulturforum Rauris
Rauriser Literaturpreis 2008 für Simona Ryser
Den Rauriser Literaturpreis 2008 für die beste deutschsprachige Prosa-Erstveröffentlichung (€ 7.300,-) erhält Simona Ryser für ihren Roman „Maries Gespenster“ (Limmat Verlag).
Simona
Ryser, 1969 in Zürich geboren, ist künstlerische Leiterin und
Darstellerin in Musiktheaterproduktionen und arbeitet freischaffend als
Hörspielregisseurin, Autorin, Sängerin und Journalistin. Ihr
„virtuoses, kluges, federleichtes Prosadebüt“ (Basler
Zeitung) wurde bereits mit dem „Studer/Ganz-Preis“ ausgezeichnet.
Rauriser Förderungspreis für Margarita Fuchs
Der mit € 3.650,- dotierte Preis geht an Margarita Fuchs. Die Germanistin, 1951 in Riedau in Oberösterreich geboren, unterrichtete an verschiedenen Schulen in Salzburg.
In
der Edition Garamond sind der Roman „Das große Fest in Portobuffolé“
(2003) und die Gedichtbände „Talentierte Labyrinthe“
(2005) und „Ich träumte weiß“ (2006) erschienen.
Mit der Kurzgeschichte „Roma“ erzielte sie den 2. Platz im
MDR-Literaturwettbewerb 2007. Ein Porträt von Margarita Fuchs finden
Sie in den bn 3/2007.
Bibliothekarsforum : literarischer Treffpunkt für BibliothekarInnen
Wie bereits in den Vorjahren gibt es auch diesmal wieder für die
BibliothekarInnen des Landes Salzburg im Rahmen des Bibliothekarsforums
einen eigenen Programmpunkt in Form einer Lesung. Die Begegnung mit Drago
Jancar findet am Freitag, dem 28. März 2008, im Gasthaus Bodenhaus
in Kolm-Saigurn statt.





