7 Jahre Bookstart in Goldwörth
Ein Brief, ein kleines Bilderbuch für jedes Kind, ein bisschen Zeit und die traditionelle Struktur einer Landpfarre - das sind die Zutaten für bookstart im Kleinen.

In der 900-Einwohnergemeinde Goldwörth
in Oberösterreich gibt es die Aktion seit 2003. Einmal jährlich
um Maria Lichtmess lädt die Katholische Frauenbewegung der Pfarre alle
Eltern, die ein Kind in der Pfarre taufen haben lassen, zu einem Frühstück
ein. Die Mitarbeiterinnen der Bibliothek nutzen diese gemütliche Zusammenkunft
im Pfarrheim, den Eltern einen Brief und den Kindern ein kleines Bilderbuch
zu überreichen.
Der Brief beginnt mit der Gratulation zur Geburt und zur Taufe und enthält ein paar Sätze über die Bedeutung von Sprachförderung bereits im Babyalter. Dann wird kurz auf das Angebot der Bibliothek an Bilder- und Vorlesebüchern sowie auf Medien für junge Eltern hingewiesen.
Alle Eltern freuen sich über diese Aufmerksamkeit. Bei fünf bis höchstens zehn Taufen im Jahr belastet der Kauf eines kleinen Büchleins zu höchstens 5,- € pro Stück das Bibliotheksbudget kaum und auch der sonstige Aufwand ist nicht groß. Der Brief gilt auch als 5,- € Gutschein - Gültigkeit ein Jahr -, um die Bibliothek kostenlos nutzen zu können.
Etwa 80 bis 90 % der Eltern nehmen die Einladung zu diesem Frühstück an, so dass fast alle Kleinkinder erreicht werden. Eltern, die sich für die Feier entschuldigen, bekommen den Brief und das Buch persönlich zugestellt. Jene, die sich gar nicht melden, werden nicht zwangsbeglückt. Etwa zwei von zehn Müttern kommen im Durchschnitt tatsächlich innerhalb eines Jahres in die Bibliothek und werden zu Benutzerinnen. Für Mütter, die schon zum Benutzerkreis gehören, ist es eher selbstverständlich, auch mit dem Baby in die Bibliothek zu kommen. Und diese machen dann Mundpropaganda und zerstreuen die Bedenken, dass Babys doch noch nichts mit Büchern anfangen könnten.
Spätestens wenn die Kinder in den Kindergarten kommen – häufig schon mit zwei Jahren – gibt es die nächste Begegnung mit der Bibliothek. Die Gemeinde finanziert für alle Kinder in Kindergarten und Volksschule eine Jahreskarte, die beim Elternabend oder einem Besuch der Schulklassen in der Bibliothek übergeben wird. Ein messbarer Erfolg steht freilich noch aus, aber an Büchern kommt bei uns kein Kind so leicht vorbei.
Mag. Maria Fellinger-Hauer, Leiterin der Öffentlichen Bibliothek der Pfarre Goldwörth und der Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz.
Dieser Beitrag erschien erstmals in der Ausgabe 3/2009 der Fachzeitschrift bn.bibliotheksnachrichten zum Thema "Anfänge".





