Projekt "Bücherzwerge"
eine Aktion der Gemeindebücherei Hoheneich
ein Bericht von Susanne Mayer | Bücherleiterin der ÖB Hoheneich

Um schon den Jüngsten die Möglichkeit zu geben, zu entdecken, wie toll Bücher sind, initiierte die Gemeindebücherei Hoheneich das in Österreich einmalige Projekt „Bücherzwerge“. Hier begleiten die MitarbeiterInnen der ÖB die Kinder der Marktgemeinde Hoheneich von der Geburt bis zum 3. Geburtstag mit Gratisbüchern und Leseinformationen über die altersgemäße Sprachentwicklung des Kindes sowie Vorleseanregungen.
Hier der Musterbrief, den wir bei Geburt eines Kindes an die Familie richten:
Lieber Alexander ! Herzlichen Glückwunsch - schön dass Du geboren bist. Mit Deiner Neugier wirst Du die Welt erkunden – und viele Dinge kennen lernen wollen. Dabei möchte dich die Gemeindebücherei Hoheneich mit der Gratis-Aktion „Bücherzwerge“ begleiten. Anlässlich Deiner Geburt erhältst Du heute ein Stoffbilderbuch – das für Dich noch ein Spielzeug ist und Du sicher mit Händen und Mund erfühlen wirst. An Deinem 1. Geburtstag bekommst Du ein Buchpaket, das aus einem Fühlbuch und einem Kartonbilderbuch besteht. Bunte Bilder werden Dich zum Er- und Begreifen einladen. Zum 2. Geburtstag erhältst Du wieder ein Buchpaket, bestehend aus zwei verschiedenen Büchern. Welche ?? Lass Dich einfach überraschen! Sie werden Dir sicherlich Spaß machen. Zu Deinem 3. Geburtstag bist Du eingeladen, in die Gemeindebücherei zu kommen, um Dir Dein Bilderbuch selbst abzuholen. Als Draufgabe bekommst du einen Schnuppergutschein für die Gratisausleihe von Medien für drei Monate. So kannst Du unser Buch- und Medienangebot kennen lernen. Wir wünschen Dir noch recht viel Spaß beim Anschauen und Erkunden der Bücher. Susanne Mayer |

Was passiert in Babys Kopf?
Kinder kommunizieren bereits ab der Geburt und lernen während des ersten Lebensjahres die Grundstruktur und den Rhythmus der Sprache. Außerdem lernen sie, eigene Geräusche zu erzeugen. Am Anfang ist es das Weinen, das sie als bestes Kommunikationswerkzeug einsetzen.
Im Verlaufe der ersten Lebensmonate beginnt das Kind zu plaudern.Nichts ist einfacher, als einem Säugling etwas vorzuplaudern, ihm Kinderreime aufzusagen, ihm vorzusingen. Je mehr verschiedene Laute ein Säugling in der direkten Kommunikation hört, desto mehr kann er nachlallen.
Lassen Sie bitte nicht ständig Radio, CD- Player oder Fernseher für den Säugling laufen, denn Sprache wird nur im unmittelbaren menschlichen Kontakt in echter Kommunikation als Anreiz für eigene Aktivität empfunden. Wer mit seinem Baby viel und häufig spricht, legt damit bereits das Fundament für spätere schulische Leistungen.
Buchempfehlungen für das 1. Lebensjahr
Babys nehmen Bücher mit allen Sinnen wahr: sie fühlen, riechen, „schmecken“ und spielen mit Büchern – sie „be-greifen“ sie im wahrsten Sinn des Wortes!
Sobald das Kind beginnt, Interesse für seine Umgebung zu zeigen, macht es Spaß, gemeinsam Bücher mit kräftigen Farben und deutlichen Umrissen anzuschauen
Idealerweise sind Bücher aus Stoff oder Plastik. Diese sind einfacher umzublättern und strapazierfähiger. Seiten können nicht so einfach herausgerissen werden und Schmutzflecken können Sie leicht abwischen.
Kuschelbücher
Raschelnde Stoffbücher fördern mit Greif- und Fühlelementen
Motorik und Wahrnehmungsvermögen. Das wiederholte Benennen der abgebildeten
Figuren begünstigt die Sprachentwicklung. Und ein niedliches Spielzeug
ist das kleine Stoffbuch ganz nebenbei auch noch.
Stoff-Leporellos
haben schöne, klare, farbstarke Einzelbilder. Kleine, einfache Reime,
deren Rhythmus das Kind wieder erkennt, können die bunten Bilder begleiten.
Viel Spaß beim gemeinsamen Anschauen wünscht Ihnen
die Gemeindebücherei Hoheneich und ihre Sponsoren
Lies mir was vor! | Tipps für die Eltern
Mit ungefähr 3 Jahren kennt das Kind ca. 1000 Wörter und kann sagen,
wie es heißt und wie alt es ist. Nachdem sich die Sprache und die Fantasie
weiter entwickelt haben, beginnt das Kind kleine Geschichten zu erzählen.
Drei- bis Vierjährige sprechen gerne ununterbrochen. Ursache dafür
ist, dass das Kind ständig neue Wörter lernt und diese in Sätzen
testen muss. Das Kind fragt nun nicht mehr nur nach dem "was?" sondern
auch nach dem "wie?" und "warum?".
Kinder, denen häufig vorgelesen und erzählt wird, verfügen über einen größeren Wortschatz (mit zwei Jahren 295 Wörter mehr) und zeigen mehr Geduld und Ausdauer beim Zuhören als andere Kinder.
Beim Vorlesen kommt das Gehirn richtig in Schwung. Dadurch wiederum werden die Konzentrationsfähigkeit und die Sprachgewandtheit gefördert. In einer Studie wurde festgestellt, dass Kinder bereits mit zwei Jahren unterscheiden können, ob ein Satz grammatikalisch richtig oder falsch ist. Ihre sprachliche Grundbildung beginnt also lange bevor sie reden, geschweige denn schreiben oder lesen können.
Aber das Vorlesen vermag noch mehr: Kind und Eltern schaffen eine Zeitinsel im hektischen Alltag. Durch das Ankuscheln, die Ruhe, das Beieinandersein und den sicheren Halt können Kinder neue Welten entdecken, fragen und verstehen lernen. Für uns Erwachsene ist es leicht, uns etwas vorzustellen, etwas zu „sehen“ auch wenn wir es nicht unmittelbar vor Augen haben. Für ein kleines Kind aber ist das schwierig. Mit dem Vorlesen helfen Sie ihm, auch das zu begreifen, was man nicht halten oder fühlen kann – Ideen, Begriffe, Vorstellungen.
Die grundlegenden Leseerfahrungen machen Kinder schon in der Kleinkindzeit
in der Familie. Wenn die Mutter oder der Vater mit ihnen Bilderbücher
ansehen, lernen sie, dass die Welt hier noch einmal da ist – in symbolischer
Darstellung.
Das Kind erkennt, dass es mit seinen Erfahrungen und Erlebnissen nicht allein
ist. Wo gibt es Parallelen zwischen der vorgelesenen Situation oder Geschichte
und den eigenen Erfahrungen des Kindes? Wünsche nach Selbständigkeit
und Abenteuer, nach Geborgenheit und Schutz kennen die Figuren im Buch genauso
wie das Kind selbst. Diese Erkenntnis hilft dem Kind, den eigenen Alltag aus
der Distanz zu betrachten und schöne wie schlimme Erfahrungen einzuordnen
und zu bewältigen. Das Sprechen-Lernen wird beim gemeinsamen „Lesen“
in einem Bilderbuch besonders intensiv gefördert wird.
Spielen Sie beim Vorlesen mit dem Klang und der Lautstärke Ihrer Stimme - so macht es allen Spaß, dem der vorliest, und dem dem vorgelesen wird.
Das Vorlesen bildet einen hervorragenden Anlass zum Erzählen: Das Kind lernt, wie man eine Geschichte so erzählen kann, dass andere sie verstehen können. Was man alles in welcher Reihenfolge erwähnen sollte (also wer was wann wie wo tut).
Sie können zu spontanen Vorlesesituationen täglich feste Vorlese-Zeiten
(z.B. vor dem Schlafengehen) von 10 – 15 Minuten einführen.
Nehmen Sie Bücher überall mit – sie verkürzen Wartezeiten, entschärfen verzwickte Situationen und das Kind wird sie gerne annehmen wenn ihm fad ist.
Richten Sie Ihrem Kind ein kleines Bücherregal ein. Dort kann es seine „Schätze“ sammeln und jederzeit zugreifen. Es ist wichtig, dass das Kind von Anfang an eine positive Einstellung zu Büchern hat. Bücher, die nicht für Kinderhände bestimmt sind, sollten Sie daher außer Reichweite des Kindes aufbewahren.
Machen Sie Sprachspiele mit Ihrem Kind:
Unsinnverse, Reimverse, Roboter-Sprache – es gibt so viele Möglichkeiten,
versuchen Sie es einfach.!
Starke Bücher für starke Kinder
Besuchen Sie Büchereien oder Buchhandlungen und lassen Sie Ihr Kind in Büchern stöbern. Je vielfältiger das Buchangebot ist, desto mehr wird die Sprachentwicklung, Fantasie und Kreativität gefördert.
Je selbstverständlicher das Lesen zum Familienalltag gehört, desto mehr Chancen haben die Kinder zu Lesern zu werden. Denn Lesen ist die Basis zum schulischen Erfolg Ihres Kindes. Daher: Belohnen Sie sich und Ihr Kind und nehmen Sie sich täglich 10 Minuten Zeit zum Vorlesen.
Buchtipps ab 3 Jahren:
Wimmelbilderbücher: Da gibt es viel zu entdecken
Ich sehe was- siehst du es auch??
Meyers kleine Kinderbibliothek
Reime, Klänge, Kinderverse, Lieder: legen den Grund für ein Gespür
des Kindes für Sprechmelodie, Sprachklang. Das „Musikalische“
im Kind wird geweckt.
Verse und Fingerspiele machen nicht nur Spaß, sondern fördern auch
die Sprachentwicklung, Fantasie und Kreativität.
Die ersten Geschichten mit bunten Bildern
Mit zunehmendem Alter des Kindes darf das Buch auch kleine Szenen aus dem
Alltag enthalten. Dabei sollte nun ein Text das Geschehen auf den Bildern
wiedergeben. Klare, ruhige und natürliche Farben bleiben jedoch wichtig.
Drei- bis sechsjährige Kinder haben außerdem besondere Freude an
gereimten Texten.
Später sollten dann Bücher ausgewählt werden, deren Bilder
und Texte eine fortlaufende Geschichte erzählen.
Wie geht es weiter?
Mit 4 Jahren beherrscht das Kind zwischen 1500 und 2000 Wörter. Es befindet sich nun in einer wichtigen Sprachperiode. Die Fantasie des Kindes blüht und es erfindet lange Geschichten. 4-Jährige entdecken außerdem die Macht der Wörter und probieren diese gerne aus, indem sie versuchen, über Familie und Freunde zu bestimmen.
Zu den letzten Worttypen, welches das Kind zu beherrschen lernt, gehören die Eigenschaftswörter und die Umstandswörter. Oft sind Kinder bereits 5 Jahre alt, bis sie diese beherrschen. Jetzt sollte die Sprache des Kindes einfach zu verstehen und größtenteils grammatikalisch richtig sein. Das Kind beginnt außerdem ein Zeitgefühl zu entwickeln.
Nähert sich das Kind dem Schulalter, kennt es bereits 2500 Wörter. Die Sprache bildet sowohl für die Kommunikation als auch für das Lernen ein wichtiges Werkzeug. Das Kind spricht zusammenhängender und die Sätze werden komplexer. Es beginnt, sich für die geschriebene Sprache zu interessieren und lernt bald zu lesen und zu schreiben. Vergessen Sie auch nicht ihrem Kind vorzulesen, auch wenn es schon lesen gelernt hat. Lesen soll immer eine Belohnung sein – keine Pflicht !! Schulkinder brauchen nicht weniger Vorlese- Engagement der Eltern, sondern mehr!!!
Viel Spaß beim gemeinsamen Vorlesen wünscht Ihnen
die Gemeindebücherei Hoheneich
Büchereileiterin
Gemeindebücherei Hoheneich
Marktplatz 91, 3945 Hoheneich Tel.: 02852/ 52664 75
buecherei.hoheneich.at
| buecherei@hoheneich.at
Mittwoch 9.00 – 11.00 und 15.00 – 19.00 | Sonntag 9.00 –
11.00





