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"Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zuviel Zeit, die wir nicht nutzen."
Seneca

Hans Höller: Selbstporträts des Künstlers als alter Mann

In seinem Artikel, erschienen in dem Band "Bernhard-Tage Ohlsdorf" (Bibliothek der Provinz, 1999), geht Höller dem Typus des alten Künstlers bei Thomas Bernhard, Franz Grillparzer und Adalbert Stifter nach.

Bernhard war einer der wenigen Schriftsteller, die sich bereits von ihren ersten Büchern an obsessiv mit der Darstellung des Künstlers als alter Mann beschäftigten. Hans Höller zeigt in seinem Essay auf, dass die Sprachform von Bernhards greisen Künstlerfiguren exakt jener von alten,vereinsamten Menschen entspricht.Sie verwenden eine Sprache, die nur mehr auf sich selbst zurückkommt, nichts Dialogisches mehr hat, weil das Reden kein Echo findet und in die Leere geht. Wichtig sei es, als Bernhard-Leser auf die charakteristische Weise des Sprachgebrauchs zu achten.

Bernhard gibt den Leiden, krankhaften Ticks und tiefen Kränkungen breiten Raum und hebt dadurch die körperliche Gebrechlichkeit alter Menschen hervor. Das Verhältnis zur Kunst ist meist ein ambivalentes: Einerseits gilt sie als Rechtfertigung der Existenz, andererseits liegt im Drang zur Perfektion dieser Kunst etwas Tödliches, das die Künstler als Märtyrer ihrer Kunst erscheinen lässt.Thematische Schwerpunkte neben dieser tödlichen Künstlerschaft sind: der beschwerliche Alltag, die Präsenz der Vergangenheit, das Abgleiten in eine immer größer werdende Isolation, das Allein- und Abgeschnittensein und damit ein fortgesetztes Misstrauen.Überdies weist Höller aber darauf hin, dass es in Berhards Werken immer auch eine Gegenstimme gegen das Tödliche, eine humane Haltung gibt.

Abschließend beleuchtet er literarische Greisenfiguren bei Grillparzer, Stifter und Raimund und zieht Parallelen zu Bernhards Schaffen. Das Alleinsein, das schroffe Auftreten und Misstrauen gegenüber der Gesellschaft findet man bereits bei Grillparzer. Auch in Stifters Werk taucht - für viele vielleicht überraschend - das Schrecken und Grauen des Alters sehr deutlich auf, ähnlich wie auch in Raimunds Theaterstücken das Alter als Gewaltakt über die Figuren hereinbricht.


Aufsatz als PDF herunterladen. 7 Seiten, 350 KB

Ao. Univ.Prof. Dr. Hans Höller

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