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"Wenn ich alt bin, werde ich sehr glücklich sein. Je schneller ich alt werde, desto besser."
Steven Demetre Georgiou (Cat Stevens)

Mobithek Eggenburg

Eine „Rollende Bibliothek“ nimmt Fahrt auf

von Eva Gaspar

Ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Landes Niederösterreich, wurde im November 2006 seitens der Stadtbücherei Eggenburg das Projekt „Mobithek Eggenburg“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Bewohnerinnen und Bewohner des Landespflegeheims Eggenburg in regelmäßigen Abständen mit Medien zu versorgen und Themennachmittage und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Personal des Heimes zu organisieren und durchzuführen. Die Besuche erfolgen im 2-Wochen-Rhythmus.

Und so fahre ich alle zwei Wochen am Mittwochnachmittag mit meinem Privatauto, bepackt mit Laptop und Bücherkisten, ins Pflegeheim. Mein erster Besuch wurde von den BewohnerInnen mit Spannung und teilweise natürlich auch mit Skepsis erwartet. Aber das Interesse an diesem neuen Angebot war sehr groß und es wurden gleich viele Bücher ausgeborgt, Buchwünsche geäußert und anregende Gespräche geführt. Einige der alten Leute kennen mich von früher und sofort wurden Erinnerungen ausgetauscht.

Bei meinen Besuchen gehe ich mit einem Bücherwagen von Zimmer zu Zimmer und in die Aufenthaltsräume. Mittlerweile haben sich die alten Leute an den Rhythmus meiner Besuche, die an der Pinnwand im Eingangsbereich des Heimes mit dem Hinweis „Rollende Bibliothek“ - Frau Gaspar kommt!“ - angekündigt werden, gewöhnt und warten schon auf mich. Ein männlicher Leser erwartet mich regelmäßig Zigarette rauchend in der Cafeteria des Heimes. Man erzählt mir von den Alltagssorgen und auch Freuden im Heim, von gesundheitlichen Problemen und immer wieder davon, wie das Leben in der Zeit „davor“ war. Natürlich unterhalten wir uns auch über die gelesenen Bücher und besprechen, was ich beim nächsten Mal mitbringen soll.

Manche BewohnerInnen werden durch die intensiven Gespräche erst angeregt, Bücher auszuborgen und stellen dann fest - denn oft ist es, bedingt durch die ehemalige soziale Situation, ihre erste Erfahrung - wie bereichernd das Lesen sein kann, wie sinnvoll und genussbringend die Beschäftigung mit Büchern und Literatur in den Lebensalltag integriert werden kann. Ca. 20% der BewohnerInnen des Pflegeheimes nehmen unser Angebot in Anspruch, den anderen ist es aus physischen Gründen gar nicht mehr möglich Anteil zu nehmen oder zu lesen. Einigen von ihnen wird allerdings vorgelesen oder sie bekommen Hörbücher.

Das Projekt wurde von Beginn an stark von den Medien wahrgenommen, ausgelöst durch die Tageszeitung Kurier, die ein Foto von der Übergabe des Laptops von LR Bohuslav an mich gemeinsam mit einem Bericht über die Mobithek brachte. Dem Zeitungsartikel folgten zwei kurze Berichte in Radio NÖ und bald darauf kam ein Anruf der Redakteurin von NÖ Heute: Ihr gefalle die Geschichte von der Mobithek sehr, sie würde mich gerne mit einem Fernsehteam bei meinem nächsten Besuch im Pflegeheim begleiten. Das war natürlich eine spannende Sache, die Aufnahmen dauerten an die fünf Stunden, die alten Leute hatten sich ganz fein gemacht, mein Freund aus der Cafeteria, Herr Sonnberger, erwartete mich diesmal im weißen Hemd und eleganter Hose, Interviews wurden gegeben und die Aufregung steigerte sich noch, als der Beitrag am Tag darauf gesendet wurde.

Bei meinem nächsten Besuch erzählte mir eine Dame mit Tränen in den Augen, dass sie nach der Fernsehsendung einen Brief erhalten hätte, von einer Frau, mit der sie vor 48 Jahren zusammengearbeitet hätte, diese erkannte sie wieder und möchte sie jetzt auch besuchen! Das sind für mich die ganz berührenden Momente. Ein schönes Beispiel, wie durch die Medien neue Kommunikation entstehen kann, gleichzeitig waren die Berichte in den Medien unbezahlbare Öffentlichkeitsarbeit für die Bibliothek.

Mit unseren neuen Aktivitäten ermöglichen wir Menschen in einer speziellen Lebenssituation nicht nur den Zugang zu Unterhaltung und Bildung, sondern heben auch deren Lebensqualität. Den sozialen Kontakten, die hierbei geknüpft werden, kommt eine große Bedeutung zu.

Durch die Kommunikation mit der Bibliothek wird der Dialog mit der älteren Generation gefördert, neue Interessen werden angeregt, Lernprozesse aktiviert. Gemäß ihrer Aufgabenstellung und Zielsetzung auch sozial-integrative Kommunikations- und Begegnungsstätte zu sein, leistet die Stadtbücherei Eggenburg mit diesem Projekt einen weiteren Beitrag zur Integration. Wir bekennen uns zur Vergangenheit, erkennen die Bedürfnisse der Gegenwart und stellen uns den Herausforderungen der Zukunft!

Stadtbücherei Eggenburg

 

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