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"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben."
Albert Einstein
Bildungschancen - Lebenschancen für Ältere

bifeb

Bildungschancen - Lebenschancen für Ältere

Bildungswerkstatt : 19. - 21. Oktober 2009 | BIfEB St. Wolfgang

Qualität in der SeniorInnenbildung

Unter dem Motto „Praxis trifft Forschung“ wurden aufgrund von Forschungsergebnissen und unter Berücksichtigung dessen, dass die SeniorInnenbildung in die Erwachsenenbildung eingebunden ist, verschiedene Aspekte von Qualität diskutiert und Innovationen für die Praxis vorgestellt.
Es war die in Folge sechste Kooperationsveranstaltung zu Fragen der SeniorInnenbildung von Bundesinstitut für Erwachsenenbildung bifeb) und der seniorenpolitischen Grundsatzabteilung im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz unter Mitarbeit des Fachbereichs Seniorenpastoral der Erzdiözese Wien. 30 BildungsplanerInnen und BildungsreferentInnen aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen aus Österreich und Bayern nahmen daran teil.

1. Warum befassen wir uns mit Fragen der Qualität in der SeniorInnenbildung?

Der Zugang zu Wissen und Informationen ist für alle Altersgruppen eine entscheidende Voraussetzung für die aktive Teilhabe am sozialen Leben. Der Anteil  älterer Menschen an der Bevölkerung wird in den nächsten Jahren noch zunehmen, die Altersgruppe der über 75-Jährigen wird massiv wachsen.
Die Bedeutung der Erwachsenenbildung/Wetierbildung wächst, Angebote, Personal, Themenspektrum, Angebotsformen haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Dementsprechend wachsen auch die Angebote der SeniorInnenbildung und werden vielfältiger.
Steigende Erwartungen und Ansprüche der Kunden (Zielgruppen und Teilnehmenden), der Wunsch nach Überblick und Vergleichbarkeit in der Vielfalt und der Anspruch der Geld-/Fördergeber nach Transparenz und Kriterien macht eine Auseinandersetzung mit Fragen der Qualität notwendig.

Die Frage nach der Qualität in der SeniorInnenbildung ist stark abhängig von den Vorstellungen und Altersbildern der Gesellschaft, der Institutionen und Träger, der Kursleiter und der SeniorInnen selbst, an deren Erwartungen sich die Planer, Veranstalter und LeiterInnen orientieren.
Die Wortbedeutung von Qualitas ist: Beschaffenheit, Güte, Wert. Wie also soll SeniorInnenbildung beschaffen sein, dass sie einen Wert hat? Wie kann Qualität entwickelt und gesichert werden?

2. Qualität entwickeln und sichern

Konsumentenschützende Gedanken- Transparenz und Vergleichbarkeit - sind der Ausgangspunkt für die Qualitätsmaßnahmen der Erwachsenenbildung, darauf wies Univ-Prof.in Dr.in Elke Gruber von der Abteilung für Erwachsenen- und Berufsbildung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt in ihrem Vortrag zur Qualitätssicherung in der Erwachsenenbildung hin. Das Österreichische Rahmenmodell zur Qualitätssicherung in der Erwachsenenbildung QUEB, das derzeit erarbeitet wird, strebt ein überregional akzeptiertes Anerkennungsverfahren für bestehende Qualitätsinitiativen der Erwachsenenbildung an. Es sieht Grundvoraussetzungen hinsichtlich Organisation, Angebotsgestaltung, ethischer und demokratischer Grundrechte sowie der Qualitätssicherung vor und bezieht bestehende Qualitätsverfahren ein.

3. Gemeinwesenorientiert und kritisch

Mit Qualitätszielen moderner SeniorInnenbildung setzte sich Dr. Dietmar Köster vom Forschungsinstitut Geragogik Fogera, Witten, auseinander. Sein Anliegen: Wie müssen sich Organisationen weiterentwickeln, damit sich SeniorInnen stärker an Lern- und Bildungsprozessen beteiligen?
Die demografische Entwicklung bewirkt, dass im Hinblick auf das Alter und die Altenbildung herkömmliche Grenzen nicht mehr gelten. Mit der Aufwertung des Alters als eigener Lebensphase stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten, Potenziale und Chancen mit dem Alter verknüpft sind. Eine zentrale Forderung ist daher die nach gemeinwesenorientiertem Denken und nach Vernetzung sowohl der Institutionen, als auch der Formate und Inhalte.
Qualität ist dabei als multiperspektivischer reflexiver Prozess zu verstehen, in dessen Mittelpunkt die Senioren als lernende Subjekte stehen.

4. Zukunftsorientiert und beispielhaft

Die Good-Practice-Beispiele, die Univ.Prof. Dr. Kolland (Institut für Soziologie, Universität Wien) mit seinem Team im Auftrag des BMASK untersucht hat, belegen, dass es methodisch-didaktische Möglichkeiten für gelingendes Lernen gibt. Sie deuten eine Richtung für die SeniorInnenbildung der Zukunft an.

5. Nachhaltigkeitsdilemmata

Die Entwicklung von Qualität und Nachhaltigkeit steht oft im Widerspruch zur Praxis.
Mag.a Charlotte Strümpel (Österr. Rotes Kreuz) nannte aus ihrer Erfahrung mit Projekten einige Dilemmata, in denen Bildungsverantwortliche sich befinden:

  • Nachhaltige (d. h. auch langfristige) Bildungsprojekte zu entwickeln erweist sich oft schwierig, wenn die Projektfinanzierung auf kurzzeitige Innovation ausgerichtet ist
  • Menschen mit Lernerfahrung sind aktiver und leichter zu erreichen als bildungsferne bzw. bildungsbenachteiligte.
  •  Partizipation und Mitgestaltung erfordert persönliche Ressourcen aller Beteiligten Herkömmliche Angebote sind leichter zu planen und durchzuführen als innovative
  • Vernetzung braucht Zeit und Ressourcen.
  • freiwilliges Engagement ermöglicht Partizipation – aber nur, wenn sie auch
    eingeräumt wird.
  • Trotz aller Beteuerungen fehlt es oft am politischen Willen um Neues zu fördern.

6. Aktuellen Förderrichtlinien des bmask

Dos and don`ts bei Förderansuchen erläuterte Dr.in Elisabeth Hechl von der Abteilung Grundsatzangelegenheiten der SeniorInnen- Bevölkerungs- und Freiwilligenpolitik im BMASK.
Neben den formalen Kriterien sind vor allem die Gewährleistung von Nachhaltigkeit und social Inclusion wichtigste Projektanforderungen.

7. Brauchen Organisationen ein Qualitätsmanagementsystem?

Konkrete Erfahrungen mit dem Qualitätssicherungssystems LQW (Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung), das speziell auf Bildungsinstitutionen zugeschnitten ist, stellte Mag. Hubert Petrasch, Leiter des kath. Bildungswerkes Wien, vor.
Der Nutzen für die Institution liegt insbesondere in:

  • der Auseinandersetzung aller MitarbeiterInnen mit dem Leitbild der eigenen Institution
  • der Auseinandersetzung mit Abläufen
  • einem besseren Blick auf das Ganze
  • Transparenz bei Schnittstellen, mehreren Zuständigkeiten…
  • Wissen Einzelner wird zum Wissen aller
  • Potentiale der einzelnen MitarbeiterInnen werden gestärkt

 

8. Notwendige Schritte und Maßnahmen für eine Qualitätsentwicklung

Eine „Drehscheibe“ diente dem Austausch der WerkstattteilnehmerInnen. Sie erbrachte konkrete Vorstellungen und Wünsche nach Hilfestellungen für qualitätssichernde Maßnahmen:

Hinsichtlich Zugang und Strukturen:

  • Bedürfnisse der älteren Menschen sollen erhoben werden
  • Angebots- und Potenzialanalysen von Institutionen: was gibt es wo?
  • Institutionen müssen Ermöglichungsstrukturen schaffen
  • Vernetzung von Institutionen fördern: eine Informationsplattform schaffen
  • Methoden, um SeniorInnen anzusprechen
  • Regionale Gegebenheiten berücksichtigen 
  • Entwicklung zugehender Strukturen

Hinsichtlich Durchführung und Prozess:

  • Qualitätskriterien erstellen unter Einbeziehung der TeilnehmerInnen
  • Prozesse bewusst/sichtbar machen
  • Freiraum berücksichtigten für Kreativität
  • Standardisierung von Abläufen bei Projekten

Hinsichtlich Ergebnisqualität

  • Ziele konkret und überprüfbar formulieren 
  • Dokumentation vor Erfahrungen z.B. Handbuch
  • Evaluationsinstrumente und Evaluierungshilfen für kleine Anbieter

9. Plattform „Lernen und Bildung im dritten und vierten Lebensalter“ im bifeb)

Die Bildungswerkstatt versteht sich als Plattform. Ihr Anliegen ist es, das Bewusstsein für die Notwendigkeit und für den Nutzen von Lernen im Alter auf verschiedenen Ebenen zu fördern. Rahmenbedingungen sollen verbessert und niederschwellige Zugänge ermöglicht werden, entsprechende Angebote bereitgestellt, angemessene Praxisformen (Good Practice) entwickelt und die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden. Die Plattform möchte Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der Seniorenarbeit in diesem Sinne vernetzen.

150 TeilnehmerInnen aus über 60 Institutionen aus Österreich, Bayern, Südtirol und Liechtenstein haben sich bisher daran beteiligt.

Leitung:
Dr.in Elisabeth Hechl, BMASK; Abt.V/6,
Mag.a Dagmar Heidecker, bifeb),
Mag. Hanns Sauter, Fachbereich Seniorenpastoral der Erzdiözese Wien

Linkwww.bifeb.at

 

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