Hintergrundbild
"Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen."
Johann Wolfgang von Goethe
Ein Bilderbuch in vielen Sprachen

Künstlerische Erkundungen zwischen den Kulturen

Ein Bilderbuchprojekt mit Kindern der VS Bergheim


von Claudia Hufnagel-Zenz

Mitte des Jahres 2008 präsentierte die Stadtbücherei Hallein ein begeisterndes Vorschulprojekt, das wir aufgreifen und selbst erlebbar machen wollten.

Grundlage bildet das Bilderbuch von Heinz Janisch und Helga Bansch „ Es gibt so Tage…“ (Verlag Jungbrunnen 2001), dessen poetischer Text die Kinder zu eigenen Sätzen beflügelt. In Übersetzungen werden die Heimatsprachen vieler SchülerInnen nichtdeutscher Muttersprache integriert und entfalten neue und spannende Klänge. Die Poesie der Sprache wird über selbst gemalte Bilder erweitert, Sprache und Bild greifen in ihrer Fantasie und Kreativität ineinander. Es entstehen künstlerische, ausdrucksstarke Einsichten in eine bereicherte, gemeinsame Welt.

Die Welt entdecken

Das Begrüßen in der jeweiligen Muttersprache führt uns zum Globus, die Suche der Finger nach ihrer Ursprungsheimat ist erfolgreich - Albanien, Bosnien, China, Österreich, die Türkei und Serbien werden gefunden. Dabei fallen den SchülerInnen gleich ein paar lustige Familiengeschichten ein.
Beim Lesen des Buches „Es gibt so Tage…“ entsteht eine fröhliche Atmosphäre. Die gegenseitige Neugier wächst über die selbst gefundenen Sätze noch einmal poetisch hinaus. Das Spiel mit der Sprache führt weiter zur Musik, erfindungsreich unterstreichen die Klanginstrumente das Gesprochene, geführt und begleitet von Britt Auer-Juster.

HauptschülerInnen helfen bei der Umsetzung am Computer

Die gemeinsame Arbeit mit den HauptschülerInnen und den VolkschülerInnen am Computer ist für alle etwas Besonderes, fachkundig begleitet von Helmut Leitner. Zwischen Altersgruppen, die sich sonst nicht viel zu sagen haben, entsteht im wechselseitigen Lernen und Zeigen der Weg auf ein gemeinsames Ziel hin.

Wie entsteht ein Buch?

Bei einem Besuch in der Buchbinderei zeigt Leonore Gleichweit-Strasser die Arbeitsgänge bei der Entstehung eines Buches. Geräte, Maschinen und Arbeitstechniken werden entdeckt und ausprobiert. Die vielen geheimisvollen Wege zum eigenen Buch sind nun als Schatz geborgen.

Die Erfahrung von Heimat und die Akzeptanz kultureller Vielfalt sind kein Widerspruch. Im gegenseitigen Austausch wird der Kontakt zur eigenen Kultur gestärkt und das Verständnis für die Position des Anderen geöffnet. So leben wir mit unseren vielen Wurzeln in Reichtum und Vielfalt.


Interview mit Frau Gleichweit-Strasser

Buchbinderin, Salzburg, 26.05.2009
Das Gespräch führte Claudia Hufnagel-Zenz

C.H.-Z.: Frau Gleichweit Strasser, ich sehe eine fröhliche, dynamische, zarte Frau, die man so in einem doch anstrengenden Handwerk nicht vermuten würde. Was bedeutet Ihnen die Buchbinderei?

Gleichweit- Strassser: Sehr viel! Die Arbeit ist sehr vielfältig und individuell, man hat mit sehr vielen, lieben Menschen zu tun und es gibt jeden Tag etwas Neues. (lacht)

C.H.-Z.: Erinnern Sie sich an ein gebundenes Buch, das Ihnen nachhaltig von Bedeutung ist?

Gleichweit-Strasser: Von Bedeutung…ja, meistens recht alte Bibeln, die zum Restaurieren waren, wo viel Liebe und viel Zeit dahinter steckt, dass sie wieder ein richtiges Ganzes werden. Ein intaktes Ganzes.

C.H.-Z.: Im Rahmen des interkulturellen Buchprojektes boten Sie spontan eine Führung durch Ihre Buchbinderei an. Was haben Sie empfunden, als elf Kinder hier hereingeströmt sind und die Räume lebhaft ausgefüllt haben?

Gleichweit-Strasser (lacht herzlich): -…das war so ein kleiner Überfall…nein- es war ganz, ganz lieb und es war so eine entzückende Gruppe. Mir hat es zuerst schon gefallen das Buch für die Kinder zu gestalten und dann das Miteinander, das Fertigmachen, das war ganz, ganz lieb, also es war eine ganz entzückende Gruppe, wirklich. Mich hat es sehr gefreut.

C.H.-Z.: Jedem Kind wurde noch ein Notizbücherl mit eigenen, goldenen Initialen gebunden und gestanzt, herzlichen Dank für die Führung und den Einblick in Ihr spannendes Handwerk und danke für das Gespräch.

Claudia Hufnagel-Zenz
Gemeindebücherei Bergheim

Projektbeschreibung:

Mitte des Jahres 2008 präsentierte die Stadtbücherei Hallein ein Vorschulprojekt, dessen Vorbild für unser Bilderbuch Anstoß war.

„Es gibt so Tage…“, dieses Bilderbuch von Heinz Janisch und Helga Bansch, bildet die Grundlage für elf Schüler und Schülerinnen der Vorschulklasse Bergheim, die sich aus fünf  Nationen zusammensetzt.

Die SchülerInnen lernen sich in Begrüßungsformeln der jeweiligen Muttersprache kennen chinesisch, türkisch, albanisch, serbisch und deutsch.
Namen und Sätze werden auf die Tafel geschrieben und gesprochen, kurze Familiengeschichte erzählt.

Besuch von elf Zeigefingern auf einem Globus, die Herkunftsländer werden markiert. Dabei werden familiäre und kulturelle Besonderheiten erzählt, viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Von den Reisen berichtet.         

poetische- und zeichnerische Vorbereitung
Vorlesen, Nachspielen, Nachahmen aus den Büchern Heinz Janisch Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon
Gerda Anger-Schmidt, Renate Habinger Muss man Miezen siezen?
Buchstaben werden ausgewählt, mit eigener Zeichnung frei verknüpft.             
Bewegung Heinz Janisch Katzensprung.
Ball zuwerfen und Lieblingsessen nennen, teilweise aus dem Ursprungsland
Musik Kinderlieder, teilweise in der Muttersprache (wegen Zeitplanung nur ansatzweise)

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Lesen des Buches "Es gibt so Tage, …"
Wiederholung. Mitsprechen. Finden erster eigener Sätze.

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Für jeden Schüler, jeder Schülerin wird der eigene, gefundene Satz aufgeschrieben.
Erste Zeichnungen entstehen zum Satz.

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Der Satz wird als Bild mit bunten Farben auf Leinen umgesetzt. Während dieser Arbeit werden Fotos von den KünstlerInnen gemacht.
Da das Projekt kurz vor den Sommerferien begonnen wurde, entsteht zu diesem Zeitpunkt eine wochenlange Pause.
Nach den Ferien ist die Vorschulklasse zur ersten Volksschulklasse avanciert, einige Schüler und Schülerinnen besuchen getrennte Klassen.

Jeweils zwei SchülerInnen (mehr Ruhe, mehr Zeit) werden eingeladen, ihr Bild noch einmal genau zu betrachten. Daraus ergibt sich eine nochmalige Veränderung des eigenen Satzes in ein poetisches Klangbild, das dem Gemalten entspricht. Klanginstrumente unterstreichen das Gesprochene.

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Die Sätze werden von den Eltern in die einzelnen Sprachen übersetzt.

Layout von Sätzen, Fotos und Bildern in Gemeinschaftsarbeit mit der Hauptschulklasse und der Volksschulklasse.

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Mit dem PDF-Dokument zur Druckerei, mit dem Druck zur Buchbinderei.

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Einladung in die Buchbinderei für die Künstlerklasse. Das Entstehen eines Buches wird nachvollziehbar.

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Im Rahmen des in diesem Jahr laufenden interkulturellen Schulprojektes, wird es in den Räumlichkeiten der Volksschule mit anderen Darbietungen zur Präsentation des Bilderbuches kommen, bei der die SchülerInnen Sätze und Bilder musikalisch vorführen.


Eine Präsentation des entstandenen Bilderbuches finden Sie in der Multimedia-Galerie von "LebensSpuren".

Link

"Kinder und Jugendliche erzählen einander aus ihrem Leben" - ein weiteres Projekt von Claudia Hufnagel-Zenz.

Link

Nach einer Projektidee der Stadtbücherei Hallein (2008).



Dieses Bilderbuch ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeindebücherei Bergheim mit der Vorschulklasse der Volksschule Bergheim 2007/2008 und der Klasse 3A der Hauptschule Bergheim. Fotos: Lambert Gierlinger
Layout: Helmut Leitner
Buchbindung: Leonore Gleichweit-Strasser

 

 

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